Warum man von einem toten Pferd absteigen sollte

Eine alte Weisheit der Dakota-Indianer besagt: „Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab!“ Es ist ungeklärt, ob dieses Sprichwort tatsächlich von einem Indigo-Stamm kommt, aber es ist eine hervorragende Metapher für den Wandel der Arbeitswelt. Denn all zu häufig wird krampfhaft an Dingen festgehalten, die einen kein Stück mehr weiterbringen. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, warum man von einem toten Pferd absteigen sollte.

Keine Veränderung ohne Veränderung

Ist es nicht verrückt, immer das Gleiche zu tun und dabei zu hoffen, dass sich etwas ändert? Und ist es nicht noch verrückter, sich dann auch noch zu beschweren, wenn sich nichts ändert? Doch anstatt sich aus einem Trott zu lösen, etwas Neues zu versuchen, werden immer neue Ausreden gefunden, warum dies oder das gerade nicht geht.

Dabei ist es unmöglich, auf Veränderung zu hoffen, ohne wirklich etwas zu ändern. Wohl niemand käme auf die Idee, sich auf ein totes Pferd zu setzen und zu hoffen, dass man damit vorwärtskommt. Diese einfache Logik funktioniert jedoch in der Arbeitswelt nur selten. Stattdessen wird nach immer neuen Methoden gesucht, um das tote Pferd doch noch zu bewegen. Und anstatt abzusteigen werden häufig folgende Alternativen zu Rate gezogen.

  • Wir besorgen uns eine stärkere Peitsche.
  • Wir sagen: „So haben wir das Pferd schon immer geritten”.
  • Wir gründen einen Arbeitskreis, um das Pferd zu analysieren.
  • Wir besuchen andere Orte, um zu sehen, wie man dort tote Pferde reitet.
  • Wir erhöhen die Qualitätsstandards für den Beritt toter Pferde.
  • Wir bilden eine Task-Force, um das Pferd wiederzubeleben.
  • Wir kaufen Leute von außerhalb ein, die angeblich tote Pferde reiten können.
  • Wir schieben eine Trainingseinheit ein, um besser reiten zu können.
  • Wir stellen Vergleiche unterschiedlicher toter Pferde an.
  • Wir ändern die Kriterien, die besagen, dass ein Pferd tot ist.
  • Wir schirren mehrere tote Pferde gemeinsam an, damit wir schneller werden.
  • Wir erklären: „Kein Pferd kann so tot sein, dass wir es nicht mehr reiten können.”
  • Wir machen eine Studie, um zu sehen, ob es bessere oder billigere Pferde gibt.
  • Wir erklären, dass unser Pferd besser, schneller und billiger tot ist als andere Pferde.
  • Wir bilden einen Qualitätszirkel, um eine Verwendung von toten Pferden zu finden.
  • Wir richten eine unabhängige Kostenstelle für tote Pferde ein.
  • Wir vergrößern den Verantwortungsbereich für tote Pferde.
  • Wir entwickeln ein Motivationsprogramm für tote Pferde.
  • Wir erstellen eine Präsentation, in der wir aufzeigen, was das Pferd könnte, wenn es noch leben würde.
  • Wir strukturieren um damit ein anderer Bereich das tote Pferd bekommt.
  • Wir senden jemandem das tote Pferd als Geschenk. Geschenke darf man nicht zurücksenden.

Absteigen und umsatteln

Natürlich sind diese Alternativen mit einem gewissen Augenzwinkern zu betrachten. Unwahrscheinlich erscheinen sie dennoch nicht. Und sie sind auf keinen Fall passende Werkzeuge, um den Wandel der Arbeitswelt zu gestalten. Natürlich ist es schwer, sich von einem treuen Pferd zu trennen, aber wenn es nicht mehr atmet, muss man der Wahrheit ins Auge sehen.

Deshalb sollte man dafür sorgen, dass das Pferd eine angemessene Beerdigung erhält und sich nach alternativen umschauen. Wie wäre es mit einem neuen Pferd? Oder vielleicht mit einem Auto? Oder ist ein Fahrrad die passende Alternative? Auf jeden Fall erscheinen all diese Lösungen weit weniger verrückt, als auf einem toten Pferd sitzen zu bleiben und zeigen, warum man von einem toten Pferd absteigen sollte

 

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