New Work im Mittelstand

Multispace, Agility, Employee Experience und Co-Creation sind nur ein paar der großen Worte, die versuchen unsere zukünftige Arbeitswelt zu beschreiben. Jeder einzelne solcher Aspekte ist ein Zeichen, dass man sich Gedanken macht und verdient somit seine Berechtigung. Bedauerlicherweiße werden all die Ansätze häufig unter dem Begriff der New Work zusammengefasst und verkomplizieren somit seine eigentlich simple und verständliche Grundabsicht. Folglich erschwert es den Zugang zu diesem wichtigen Thema und macht es nahezu unmöglich, das Thema New Work im Mittelstand zu etablieren.

Der Mittelstand in der Zwickmühle

Große, bunte Büros, Möbel aus Euro-Paletten und eine Tischtennisplatte zeichnen ein allgemeines Bild der neuen Arbeitswelt. Zu finden ist diese Vorstellung jedoch höchstens bei hippen Startups in aufgehübschten Fabrik-Lofts oder Konzernen mit entsprechendem finanziellem Hintergrund. Die Assoziation zum traditionsreichen deutschen Mittelstand hingegen fällt schwer.

Es ist wichtig, dass es Vorreiter gibt, die sich mit den neuen Methoden der Arbeitswelt befassen und diese auch ausprobieren. Doch all diese Bemühungen bleiben ohne Effekt, wenn sie nicht den Einzug in die Breite schaffen. Alle kleinen und mittelständigen Betriebe bilden zusammen 99,6 % aller Unternehmen in Deutschland und diese gilt es für den Wandel der Arbeitswelt zu rüsten.

Jedoch gibt es aktuell zwei entscheidende Hürden, warum dies nur schwer funktioniert. Zum einen sind all die gut gemeinten Begrifflichkeit nicht selbsterklärend und zum anderen stellt ein radikaler Umbruch die bisherigen Leistungen der Unternehmen in Frage. Es wird quasi mit schwer verständlichen Dingen gesagt, dass ab jetzt alles anders gemacht werden muss. Beides zusammen kann überfordern und abschrecken, anstatt einzuladen und zum Nachahmen zu animieren.

Dabei haben kleine und mittelständige Unternehmen einen ganz entscheidenden Vorteil. Auf Grund ihrer Größe sind sie von sich aus agiler und anpassungsfähiger als Großunternehmen und Konzerne. Hinzu kommt, dass sie häufig Innhabergeführt sind und Veränderungen so schnell zur Chefsache werden können. Die Grundvoraussetzungen sind gegeben.

Verständlichkeit statt Komplexität

Um einen Zugang zu einem Veränderungsprozess zu ermöglichen, muss ihm zunächst die Komplexität genommen werden. Um also ein Verständnis für das Thema New Work zu schaffen, müssen all die unverständlichen Maßnahmen ausgeblendet und der Grundgedanke betrachtet werden.

„Was neu an der „Neuen Arbeit“ ist, ist der Gedanke, dass Arbeit etwas Wunderbares sein kann. Arbeit kann das sein, was man wirklich, wirklich will. Und dann gibt einem Arbeit Leben, anstatt zu schwächen.“ Mit dieser Aussage beschreibt der Philosoph Frithjof Bergmann den Grundgedanken der New Work und bricht deren Absichten auf einen wesentlichen Punkt herunter.

Egal ob Startup, Konzern oder Mittelstand, am Ende eines Arbeitstags muss sich das Gefühl einstellen, das sich der Tag gelohnt hat. Es muss klar sein, warum man auf Arbeit war. Es darf sich nicht der Gedanke breit machen, dass zu Hause bleiben und nichts machen den gleichen Effekt gehabt hätte.

Deshalb ist es zunächst einmal wichtig, den grundlegenden Gedanken zu kommunizieren und zu erklären. Somit lässt sich auch die Notwendigkeit von Veränderungen besser vermitteln. Erst wenn sich dazu ein flächendeckender Konsens gebildet hat, besteht die Möglichkeit gezielte Maßnahmen und Methoden der neuen Arbeitswelt auch einzuführen.

Veränderung kommt von oben

Kleine und mittelständige Unternehmen sind in aller Regel noch in einer klassischen Hierarchie strukturiert. Deshalb ist es notwendig, dass das Thema New Work im Mittelstand von der Geschäftsführung aufgegriffen und auch aktiv in das Unternehmen eingeführt wird. Es wird nicht funktionieren, wenn man einfach irgendwen damit beauftragt.

Der erste Schritt ist es dann, sich und den aktuellen Stand des Unternehmens zu hinterfragen. Dabei sollte man keine Angst vor einer möglichen Schuldfrage haben. Es geht nicht darum, irgendwelche Fehler finden zu müssen. Denn der Weg bis hierher war ja in Ordnung, sonst würde das Unternehmen nicht existieren. Es geht vielmehr darum, wie der Weg von hier weg weitergehen kann.

Als nächstes kommt dann die Umsetzung von Veränderungen. Hier ist es von großer Bedeutung, dass alles von der Führungsebene vorgelebt wird. Denn nur was wirklich authentisch und konsequent umgesetzt wird, wird sich auch auf das Unternehmen auswirken. Man wird keine Digitalisierung im Unternehmen erreichen, wenn man selbst immer alles auf einen Zettel schreibt und abheftet.

Den eigenen New Work Ansatz finden

Um sich dem Wandel der Arbeitswelt zu stellen, ist es nicht notwendig die Wände bunt anzumalen und seine Angestellten auf Paletten zu setzen. Viel entscheidender ist es, herauszufinden, was das eigene Unternehmen ausmacht, für was es steht und was es tatsächlich bieten kann. Das klingt möglicherweise banal, doch der Fokus der Geschäftsführung liegt oft auf dem wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens und bietet keinen Platz für solche Fragen.

Dabei ist die Antwort auf diese Fragen leichter zu finden als man glaubt. Als erstes sollte man sich als Führungskraft selbst fragen, was einem wichtig ist. Ist es möglichst viel persönlichen Gewinn zu erzielen oder geht es auch darum, etwas zu ändern, etwas Gutes zu tun? Egal was es ist, es wird sich unweigerlich auf das Unternehmen übertragen. Wenn sich dabei etwas ändern soll, so lässt es sich nur von oben durch gezieltes Vorleben erreichen.

Man kann aber auch einfach mal seine Angestellten fragen. Was hat langjährige Mitarbeiter dazu bewegt über längere Zeit im Unternehmen zu bleiben? Was sind Dinge, auf die sie sich freuen, wenn sie zur Arbeit gehen? Ist es das gemeinsame Frühstück unter Kollegen? Ist es der Firmenausflug oder einfach nur der höfliche Umgangston? Und schon kann man erfahren, was das Unternehmen ausmacht und auf was es weiter seinen Fokus legen kann.

Bei allem Verständnis für die Wichtigkeit des wirtschaftlichen Erfolges sollte der Grundgedanke der New Work im Mittelstand doch weiter in den Fokus des Handelns rücken. Denn um sich erfolgreich dem Wandel der Arbeitswelt zu stellen, geht es am Ende des Tages darum, auch subjektiv das Gefühl zu bekommen, dass die Arbeit mehr gebracht hat als nur eine Gehaltsabrechnung.

 

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Ein Gedanke zu „New Work im Mittelstand“

  1. Ich arbeite in einem sehr grossen Unternehmen. Wir sprechen zwar auch immer öfter von Agilität und agilen Methoden, die Umsetzung ist jedoch eine Herausforderung. Im Thema „New work“ kommen wir nur langsam voran 😉

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