„New Work“ – Das Ende der Lohnarbeit

„Was neu an der „Neuen Arbeit“ ist, ist der Gedanke, dass Arbeit etwas Wunderbares sein kann. Arbeit kann das sein, was man wirklich, wirklich will. Und dann gibt einem Arbeit Leben, anstatt zu schwächen.“ Wer und was genau sich hinter dieser Aussage verbirgt, erfährst du im Beitrag „New Work“ – Das Ende der Lohnarbeit.

Der Ursprung der „New Work“

„New Work“ klingt hip, „New Work“ klingt modern und nach einem Trend aus dem 21. Jahrhundert. Es vermittelt direkt das Bild von ewig Junggebliebenen, die bei einem Latte Macchiato in irgendeinem „cozy“ Berlin Mitte Café vor ihren Laptops sitzen. Doch die tatsächliche Idee ist auf den 1930 in Sachsen geborenen Philosophen Frithjof Bergmann zurückzuführen.

Während seiner Reisen durch die Ostblockstaaten erkannte Bergmann bereits Ender der 1970er Jahre, dass der Sozialismus keine Zukunft mehr hat. Und auch seine Auseinandersetzung mit dem Kapitalismus zeigte, dass dieser ebenfalls nicht die Lösung sein kann. Folglich begann er ein Gegenmodell zu entwickeln und die Bewegung der „Neuen Arbeit“ entstand.

Es geschah während der Rezession in den frühen 1980er Jahren in Flint, der Automobilstadt der USA. An den Fließbändern hielten unerwartet schnell Computer Einzug. Das war für die meisten neu und unbekannt. Und obwohl es keine konkreten Zahlen oder Ankündigungen gab, machten sich Gerüchte über Massenentlassungen als Folge breit.

Genau wie heute, wurde auch damals bei vielen Krisen, bzw. Veränderungen zuallererst mit dem möglichen Verlust von Arbeitsplätzen gedroht. Wäre dies so gekommen, hätte halb Flint keine Arbeit mehr gehabt, während die andere Hälfte eine Überstunde nach der anderen geschruppt hätte. Flint wäre vertikal in Arbeiter und Arbeitslose geteilt worden. Eine Einteilung, die nach wie vor bestens bekannt ist.

Die Alternative zu Massenentlassungen sah vor, die breite Bevölkerung von Flint horizontal zu teilen. Auch mit Computern, so die Aussage von Bergmann, wird es genug Arbeit für alle geben. Nur nicht mehr den ganzen Tag. Um dennoch als Gesellschaft zu funktionieren, mussten neue Werte in Bezug auf die Arbeit definiert werden.

Frithjof Bergmann (Quelle: Handelsblatt)

„New Work“ – Das Ende der Lohnarbeit

„Im Grunde sind wir davon überzeugt, dass die jetzige Wirtschaft im Sterben liegt und das Sterben auch verdient.“ Mit dieser Aussage bezieht sich Bergmann in erster Linie auf die gebräuchlichste Form der Arbeit. „Insbesondere die Lohnarbeit. In der Lohnarbeit sehe ich etwas, was die Menschen schwächt, was sie lähmt und alles andere tut als dem Menschen Leben zu geben.“

Genau genommen hat sich dieses System erst mit der Industrialisierung entwickelt. Schon zu Beginn gab es kritische Stimmen, die der Lohnarbeit keine rosige Zukunft vorhersagten. Bis dahin lebte über viele hundert Jahre die meisten Menschen als Bauern. Sie arbeiteten, um sich selbst zu versorgen und um sich einen lebenswerten Alltag zu schaffen.

Sicherlich lässt sich an dieser Stelle ein altbekanntes Argument hervorbringen. Der Kapitalismus, unter seinem Deckmantel der sozialen Marktwirtschaft, hat so vielen Menschen Wohlstand gebracht, wie kein anderes System zuvor. Dieser Wohlstand wird aber in aller Regeln mit der Möglichkeit des Konsumierens gleichgesetzt.

Konsum in dem uns bekannten Sinne gab es vor 200 Jahren noch nicht. Und so werden die meisten Menschen aus dieser Zeit nach heutigen Maßstäben als bettelarm angesehen. Ob sie sich selbst so gesehen haben, ist unklar. Genauso würden sich heute die wenigsten selbst als mittellos bezeichnen. Das kann aber mit zukünftigen Maßstäben ganz anders bewertet werden. Aus Bergmanns Sicht sind wir arm, sehr arm sogar. Wir leiden an der Armut der Begierde.

Begierde heißt, etwas wirklich, wirklich zu wollen. Und zu wissen, was man will, ist ein größeres Problem als man sich vorstellen kann. Ausbildung und Erziehung der letzten Jahrzehnte waren darauf ausgerichtet zu funktionieren. Der eigene Wille ist dabei verkümmert. Oder wann wurdet ihr das letzte Mal danach gefragt, was ihr wirklich wollt?

Die Drei Säulen der „Neuen Arbeit“

Die Antwort auf die Frage, was man wirklich, wirklich will ist schwer. Oftmals führt das Thema zu peinlichem Schweigen. Das muss sich ändern. Denn zu wissen, was man wirklich, wirklich will ist die erste der drei Säulen der „Neuen Arbeit“.

Wissen, was man will

Das erste Ziel der „Neuen Arbeit“ besteht darin, dass die Leute einer Arbeit nachgehen, die sie wirklich, wirklich wollen. Das klingt zunächst erstmal traumhaft und romantisch, hat aber eine tiefere Bedeutung.

Viele nehmen ihre Arbeit wie eine leichte Krankheit war. Nicht wie Krebs, eher wie eine leichte Erkältung, bei der man mittwochs sagt, bis zum Wochenende halte ich das schon aus. So zählen viele die Jahre bis zum Ruhestand und halten es bis dahin irgendwie aus. Doch so tötet Arbeit. Nicht so weit, dass man begraben werden kann. Aber dennoch so, dass man nicht lebendig ist und am Leben teilnimmt.

Arbeit muss das krasse Gegenteil sein. Sie muss Leben geben, sie muss den Menschen lebendiger machen, als er vorher war. Und auch erst dann ist der Mensch in der Lage, sein volles Potenzial zu entdecken und zu entfalten.

Selbstversorgung durch High-Tech

Die zweite Säule beschreibt die Selbstversorgung mittels High-Tech. Das kann mit einem modernen Bauerntum verglichen werden. Vor der Industrialisierung haben sich die Menschen auf kleinen Höfen selbst versorgt. Ein Handel mit notwendigen Dingen war dabei ebenfalls möglich.

Heutzutage ist es aus den verschiedensten Gründen nicht mehr möglich, vom Ertrag eines kleinen Hofes zu leben. Landwirtschaft wird von riesigen Agrarfirmen betrieben. Folgen sind die Landflucht, verwaiste Dörfer und die Ballung in Städten.

Können sich die Menschen wieder selbst mit Dingen für ein freudiges und erfüllendes Leben versorgen, sinkt die Abhängigkeit von der Lohnarbeit und dessen Begleiterscheinungen. Ein bereits weit verbreitetes Beispiel für solche eine High-Tech ist der 3D-Drucker.

Geld verdienen mit „Neuer Arbeit“

Auch in der „Neuen Arbeit“ ist es möglich, gar notwendig, Geld zu verdienen. Allerdings auf eine andere Art und Weise. Produkte und Dienstleistungen müssen dabei den Anforderungen der „Neuen Arbeit“ entsprechen.

Heutzutage wird man dazu gedrängt, dass zu konsumieren, was produziert wird. Oftmals wird die Produktion von Gütern mit der Nachfrage am Markt gerechtfertigt. Der Einfluss der Werbung und des suggerierten Mangels wird dabei jedoch nicht erwähnt.

Man soll laut Bergmann nur das herstellen, was man für ein erfülltes, glückliches und freudiges Leben auch wirklich benötigt. Dabei entstehen neue Ideen und Produkte, mit denen man Geld verdienen kann. Ein von Wachstum unabhängiger Innovationsmotor.

Eine Chance für die Zukunft

Viele beschreiben die Zeit, in der wir leben als tragisch oder gefährlich. Sie haben Angst vor schnellen Veränderungen, vor dem Verlust ihrer Arbeit und Altbewehrtem. Und genau diese Angst hält die Spirale am Laufen. Der Leistungsdruck wird größer, die Bereitschaft sich für seinen Job zu opfern steigt und die Freiheit für sich selbst schwindet.

Dabei ist die Realität aus einer anderen Perspektive vielversprechend. Die technische Entwicklung ermöglicht Dinge, die vorher noch nie möglich gewesen waren. Der rasante Fortschritt kann wunderbare Konsequenzen haben. Nur werden dabei viele bekannte Strategien auf der Strecke bleiben.

„Der Sprung hinüber zu der Arbeit, in der man nur das tut, was einen stärkt und was man wirklich tun will, ist ein großer Sprung in eine bessere Zukunft. Diesen Sprung macht die Technologie möglich.“

Wie ist es bei euch? Seid ihr zufrieden mit eurer beruflichen Situation und habt ihr die Motivation etwas zu ändern? Ich würde mich freuen, wenn ihr euch ein paar Minuten Zeit nehmt, um an meiner Umfrage zum Arbeitsalltag teilzunehmen. Die Umfrage ist komplett anonym und es werden keine persönlichen Daten aufgenommen.

Das Ergebnis der Umfrage veröffentliche ich über meinen Newsletter. Schreibt euch ein und verpasst keinen Beitrag mehr.

Zur Umfrage „Der Arbeitsalltag“.

 

Wie gefällt dir der Beitrag?
[Total: 6 Average: 4.8]

16 Gedanken zu „„New Work“ – Das Ende der Lohnarbeit“

  1. Wie wichtig die Work-Life-Love ist, habe ich durch meinen Coach erfahren, die mich seit meiner Selbstständigkeit coacht. Ich habe mich von dem Angestellten-Dasein befreit, weil ich das nicht kann… aber was kann ich und wohin soll mein Weg mich führen? Was WILL ich? Diese Fragen galt es zu klären und seit ich das getan habe – ein anderes Leben! Böse Zungen würden mich nun als Workoholic bezeichnen, aber ich arbeite nur so viel, weil ich das gerne tue.

    Lieben Gruß, Bea.

  2. Corona hat uns gerade eine riesen Chance beschert, Dinge neu zu denken.
    Denn zurück zum „alten“ ist nicht. Abgesehen davon, war normal wirklich gut?
    Ich hoffe, dass wir alle die Kraft und Energie aufbringen können, etwas zu verändern und positiv zu bewirken.
    Herkömmliche Modelle haben offensichtlich ausgedient.

    Liebe Grüße, Katja

    1. Hallo Katja,
      so sehe ich das auch. Es wäre falsch, alles so wie vorher zu machen. Ein Krise ist ja nicht gleich eine Katastrophe und kann wirklich neue Wege bereiten.

  3. Ein wirklich sehr faszinierender und spannender Artikel. Die Ansätze finde ich gar nicht so verkehrt, jedoch denke ich, dass es sich nicht so einfach umsetzen lassen würde.

    Prinzipiell denke ich, dass wir unseren Job zumindest mögen sollten, denn da verbringen wir immerhin viel Lebenszeit. Ich möchte mich beruflich auch verändern, weil ich in meiner Firma aktuell keine Weiterentwicklung für mich mehr sehe.

    Liebe Grüße
    Mo

    1. Absolut, wenn wir uns im Job schon wohlfühlen würden, wäre ein erster großer Schritt getan. Wenn wir uns dann noch mit der Aufgabe identifizieren können, dann sind wir auf einem guten Weg.

  4. Das ist das größte Problem in unserer Gesellschaft, fast niemand weiß noch was er wirklich will. Doch wenn ich mich selber nicht kenne, kann ich meinen Weg nicht selber bestimmen. Selber für seine Ernährung mit zu sorgen erscheint den meisten abstrus. Ein Patient sagte einmal zu mir, warum tun sie, dass, das kann man alles im Supermarkt kaufen. So viel Arbeit da rein zustecken ist dumm. Dass ich es für mich und meine Familie tue und es mir sogar Spaß und tiefe Befriedigung bringt war für ihn nicht zu verstehen. Ich tue was ich tue, weil ich es so will. Doch dazu braucht es Selbsterkenntnis, Rückgrat und einen ausgeprägten Sinn für Freiheit.
    Alles Liebe
    Annette

    1. Ein sehr interessanter Kommentar. Am Ende fängt alles bei uns selbst an. Wenn wir persönlich nichts verändern wollen, dann macht es keiner für uns.

  5. Pingback: Kommunikation: Werkzeuge und Fähigkeiten - Swiss Equity magazin

    1. Jeder will alles…du sagst es. Und da liegt ein entscheidendes Problem. Die Frage sollte sein, „Wie viel ist eigentlich genug?“.

  6. Ein spannendes Gedankenspiel, wobei ich es in mancher Hinsicht als wenig durchdacht und sehr optimistisch empfinde. Praktikabel wäre dieses Konzept, in diesem Sinne, ausschließlich global.

    Wäre dies überhaupt möglich?

    Es wirkt für mich wie eine Utopie. Diese wäre sicherlich wünschenswert, trotzdessen sehe ich Ecken und Kanten.

    Liebe Grüße
    Marie

    1. Das hast du vollkommen Recht. Einfach so lässt sich das nicht umsetzen. Es braucht einen kompletten Wandel. Und so ein Wandel lässt sich nicht ohne Anlass einleiten. Aber vielleicht haben wir ja jetzt den passenden Grund. 🙂

  7. Das wäre zu schön um wahr zu sein, wenn alle Menschen einer Arbeit nachgehen können, die ihnen Freude macht! Aber wer macht dann die andere Arbeit, dachte ich mir so beim Lesen? Ich selbst hab auch noch mal umgesattelt nach meiner ersten Ausbildung! Das war einfach nicht das Richtige für mich! Nicht nur eine Erkältung, eine richtige Grippe! Nun gehe ich lieber zur Arbeit, auch wenn nicht jeder Tag ein Zuckerschlecken bedeutet!

    Liebe Grüße
    Jana

  8. Ich habe vor zwei, drei Jahren zum ersten Mal von New Work gehört und finde das Konzept enorm spannend. Aber ich bin auch ein Fan von Dingen wie bedingungslosem Grundeinkommen, weil ich glaube, dass solche Ansätze die Menschen eher motiviert. Gerade in Sachen Work-Life-Balance und solchen Dingen können wir noch enorm viel lernen – gerade auch durch die Corona-Krise.

    1. New Work und das bedingungslose Grundeinkommen ergänzen sich aus meiner Sicht. Die Wertschöpfung ist durch moderne Technik so enorm viel höher, dass ewig langes Arbeiten einfach nicht notwendig ist.

  9. Eigentlich ein interessantes Konzept das viele junge Leute mehr und mehr adaptieren! Auch ich versuche es 🙂 ich hab es nie verstanden, wie viele meiner Mitmenschen so immer über ihren Job jammern…. den haben sie sich doch selber ausgesucht oder? natürlich verstehe ich auch, dass es aus der Notwendigkeit heraus kommt oft einen job anzunehmen der keinen Spaß macht aber das macht man dann doch nur als Übergang….
    Ich versuche noch das zu finden, was ich später auf jeden Fall machen will und damit lasse ich mir Zeit 🙂 Ich lass mich nicht mehr drängen. Natürlich bin ich mittlerweile auch nicht mehr die jüngste aber die 20er sind dazu da, dass man sich selber findet und wenn ein Job einen Spaßmacht, dann sitzt man 50 Jahre auch daran und sieht es als Bereicherung statt einer Grippe (wie du schon sagtest) Mit diesem Gedankengang habe ich allerdings nur bei den jüngeren Leuten Anschluss gefunden 🙂 meine alten Klassenkameraden (mit denen ich noch in Kontakt stehe) verstehen mich dahingehend nicht 🙂

    Liebe Grüße

    Alisia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.