Die vergessenen Fachkräfte – Ein Gastbeitrag von Birgit Lorz

Der Fachkräftemangel ist in allen Branchen zu spüren. Gerade gut ausgebildete, engagierte Mitarbeiter fehlen den Unternehmen. Dabei gibt es die vergessenen Fachkräfte, die kaum eine Chance haben, einen Arbeitsplatz – der ihren Fähigkeiten entspricht – zu ergattern.

Der Einfluss von Mutterschaft auf Löhne wurde durch die Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut belegt. Mütter bekommen weniger Geld. Einfach weil sie Mütter sind! Bei Beförderungen oder Stellenausschreibungen zu höheren Positionen werden Mütter häufig aussortiert. Auch dies nur weil sie Mütter sind!

Das Problem der Mütter

Geld – und somit die Löhne – entscheidet aber darüber, wie gut und sicher wir leben können. Es bestimmt unsere Lebensqualität genauso, wie es darüber entscheidet, wie gut wir im Alter abgesichert sind.

Doch Frauen – vor allem Mütter – schneiden bei dem Vergleich von Gehältern und Renten immer noch schlechter ab. Gerade nach längerer Elternzeit reduziert sich der Lohn einer Frau. So hat eine Mutter mit guter Bildung nach 10 Jahren etwa 24 Prozent weniger verdient als Frauen ohne Kinder. Die Kluft zu einem Mann in gleicher Position ist noch größer.

Der Grund, warum Frauen mit Kindern weniger verdienen ist einfach gefunden: Mütter nehmen sich oftmals eine Auszeit und steigen danach häufig nur noch Teilzeit ins Berufsleben ein. Doch diese Punkte werden von den Unternehmen als Signale verstanden, dass sie weniger Interesse und Engagement im Beruf zeigen werden. So bleiben vielen Müttern gutbezahlte, interessante und weiterbringende Arbeitsstellen versagt. Nur, weil sie Mütter sind. Ihnen wird dabei unterstellt, dass sie kein Interesse an ihrer Karriere haben. Egal wie gut und wieviel sie arbeiten, einfach aus der Tatsache heraus, dass sie Kinder haben.

Doch es geht auch anders

Die Nachteile bei der Bezahlung – und auch beim Aufstieg – sind gerade in Deutschland zu sehen. So verdient eine Mutter mit 45 Jahren 42 Prozent weniger als eine Frau ohne Kinder, wie oben genannte Studie belegt. In den nordischen Ländern ist dieser Einfluss kaum bis gar nicht nachzuweisen.

Gerade die gravierenden Langzeitfolgen gibt es im Norden nicht. In Schweden halbieren sich die Jahresgehälter von Müttern zwar kurzzeitig, jedoch verdienen sie mit ungefähr 40 Jahren wieder genauso viel wenn nicht sogar besser als ihre kinderlosen Kolleginnen.

Ob in Dänemark, Norwegen, den Niederlanden oder in Schweden: Dort ist es selbstverständlich, dass man um 17 Uhr nicht mehr im Büro ist. In Deutschland ist es immer noch normal – in vielen Branchen sogar bis 18 Uhr. Alle die in Deutschland eher gehen (müssen), werden somit als „unnormal“ angesehen. Das muss sich ändern!

Wir brauchen eine Unternehmenskultur, die sich von einer Anwesenheits- zu einer Ergebniskultur wandelt. Auch wenn das bedeutet, dass abends noch einmal gearbeitet werden muss, ist diese Arbeitsstruktur gerade für Eltern einfacher. Denn sie können arbeiten, wenn die Kinder versorgt sind – oder abends schlafen.

Der Weg der Zukunft

Gute Arbeitsergebnisse lassen sich heute in vielen Bereichen auch mobil erreichen! Dafür müssen Unternehmen allerdings ihre Einstellung und ihre Anforderung an den Mitarbeiter ändern:

  • Die unbegrenzte Verfügbarkeit der Mitarbeiter gegenüber dem Unternehmen muss aufhören!
  • Ergebnisse müssen mehr wert sein als die Anwesenheit!
  • Es braucht flexiblere Arbeitszeitmodelle bei angemessener Bezahlung!

Flexible Arbeitsmodelle als der Ausweg?

Dann reicht eine flexible Arbeitszeit, um das Problem zu lösen? So einfach ist es dann doch nicht. In Deutschland bringt die schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf die meisten Mütter dazu nur noch Teilzeit oder gar nur auf Minijob-Basis zu arbeiten. Diese Teilzeitarbeitsstellen sind meist nur geringer qualifizierte Tätigkeiten. So dass sich die Frau entscheiden muss, ob sie höher qualifizierte Arbeit ganztags oder weniger qualifizierte Arbeit in Teilzeit erledigen will.

So verdient die Mutter im Endeffekt zweimal weniger. Denn sie bekommt weniger Stundenlohn – für weniger geleistete Stunden. Dieses Geld fehlt ihr später wieder in der Rentenkasse.

Solange flexible Arbeitsmodelle nur für geringer bezahlte Arbeiten angeboten werden, ist dies keine zielführende Maßnahme.

Welche Wege sind wirklich zielführend?

Es gibt einige Ideen, wie man die Mutter wieder als Facharbeiterin ins Boot holen kann:

  • Kinderbetreuung ausbauen, und zwar kostenlos!

    Das Recht ein Kind betreuen zu lassen, gibt es in Deutschland – zumindest theoretisch. Praktisch heißt das aber immer noch: Betreuungsplätze muss man schon vor der Schwangerschaft anmelden, bekommt man nur für ein paar Stunden und muss dafür Unmengen an Geld bezahlen.

  • Jobsharing einführen

    Eine Abteilungsleitung muss den ganzen Tag anwesend sein. Das mag stimmen – doch wer sagt denn, dass die Abteilungsleitung nicht aus einer Doppelspitze bestehen kann? Das hat sogar noch einige Vorteile. Denn ist eine krank oder in Urlaub, kann ohne Probleme weitergearbeitet werden.

  • Bei der Elternzeit die Partnermonate verlängern

    Eine Erhöhung der zurzeit 2 Monate, die meist die Väter nehmen, auf 6 oder gar 9 Monate würden den Vätern die Chance geben, sich gleichberechtigt um die Kinder zu kümmern. Gleichzeit hätten Frauen und Männer die gleichen Voraussetzungen bei einer Neueinstellung. Denn dann könnte auch der junge Mann genauso bald Vater werden und ausfallen.

  • Abschaffung des Ehegattensplittings

    Momentan werden die Gehälter des Ehepaars gemeinsam besteuert. Dies läßt dem weniger verdienten Teil kaum eine Chance. Meist geht somit die Frau in Teilzeit oder zieht sich komplett aus dem Berufsleben zurück.

  • Recht auf Familienarbeitszeit

    Ein Anrecht auf eine kürzere Arbeitszeit bei allen Arbeitgebern würde Familien entlasten, denn dann kann der Vater – ohne jegliche Diskussion – einen Antrag auf 30 Stunden stellen. So könnte die Last auf beide Schultern verteilt werden und Mütter und Väter könnten dem Arbeitsmarkt mit ihrem Können und Wissen zur Verfügung stehen.

  • Recht auf das Zurückkehren in die vorherige Position

    Aktuell wird der Mutter ein zurückkehren in den Betrieb erlaubt. Jedoch nur in eine ähnliche Position. Manche Unternehmen versetzen Mütter dann an das andere Ende Deutschlands. Somit hatte die Mutter nur theoretisch eine sichere Arbeitsstelle.

  • Recht auf Teilzeit – in jeder Position und in jedem Unternehmen!

    Das Recht auf Teilzeit gibt es schon. (§§ 8 und 9a TzBfG). Jedoch müssen in dem Unternehmen über 45 Personen beschäftigt sein. So sind die meisten Unternehmen nicht in der Pflicht.

  • Recht auf Homeoffice

    Das Recht auf Homeoffice gibt Eltern die Chance, zumindest einen Teil ihrer Arbeit zuhause zu erledigen. Dabei sollte aber unbedingt darauf geachtet werden, dass dieses Recht nicht wieder in eine Sackgasse führt. Werden wieder nur Mütter das Homeoffice in Anspruch nehmen, könnte sich dieses wieder zu einem Nachteil entwickeln.

Die vergessenen Fachkräfte

Abschließend muss leider festgestellt werden, dass Gleichberechtigung und Gleichbehandlung auch in Deutschland nur auf dem Papier existiert. Selbst in den Familien hat die Gleichberechtigung noch nicht Einzug gehalten. So ist auf fibb.de zu lesen, wie eine Mutter um die Gleichberechtigung in ihrer Familie kämpft.

Für Unternehmen kann die Devise nur heißen: Bei Fachkräftemangel einmal über den Tellerrand hinausschauen. Es gibt viele gut ausgebildete Mütter. Diese können selbstverständlich auch mit Kind eine gute Arbeitnehmerin sein. Egal ob als Abteilungsleitung oder in anderen Führungspositionen, Mütter sollten heutzutage nicht einfach übergangen werden.

Birgit Lorz

Birgit Lorz ist seit 2001 als Blogautor und Online Marketing Manager im Internet unterwegs. Auf ihren Blog Fibb.de behandelt sie Themen rund um Selbstständigkeit, Geld verdienen und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

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